Monday, February 27, 2012


Letzte Woche waren wir auf einem Workshop für ein ziemlich abgefahrenes XRF-Spektroskopiegerät. Das Ding heisst Tracer und ist von der Firma Brucker. Der Workshop wurde von Bruce Kaiser gehalten, der das Teil erfunden hat und Brucker hat es Ihm dann abgekauft. Absolut portabel und ungefährlich.

Der Kasten links ist eine Vakuumpumpe, die man aber nur bei einigen Messungen braucht. In der Mitte der Tracer auf einem Stativ zum Messn von kleinen Proben. Sieht aus wie eine Kanone von StarTreck. Wir haben dann erst die physikalischen Grundlagen durchgenommen und anschliessend konnte jeder seine mitgebrachten Proben untersuchen.


Hier auf dem Foto sind wir gerade bei der Interpretation der Messungen. Ich habe viel gelernt bei der Sache. Bruce hat das Gerät für 6 Wochen in Wellington gelassen und ich fahre nächste Woche runter um noch weitere Proben zu messen. Der Mann war wirklich genial.
Damit jetzt kein falscher Eindruck entsteht, es handelte sich dabei nicht umeine Verkaufsveranstaltung.


Carolina hat freundlicherweise Ihr Studio für den Workshop zur verfügung gestellt. Hier misst Sie gerade die Pigmente an einem Van Dyke. Bei meine Proben hat sich übrigens herausgestellt, das es sich bei der vermeintlichen Kalktünche auf meinem Grabstein nicht um eine solche handelt sondern in erster Linie um Bleiweiss.

Ja,ja, da war ich vielleicht happy;)

Bis dann

Thursday, February 16, 2012

Hi.

Also seit greaumer Zeit arbeite ich jetzt schon hier. Leider lässt die hiesige Rohstofflage alles etwas langsamer ablaufen. Selbstverständlichkeiten wie Ethyl-Kieselsäureester, Cyclododekan, Sande und Gesteinsmehle und Arbocel gibt es nicht in der allseitbekannten Restauratorenboutique von nebenan. Leider muss ich hier für fast alles Klinken putzen gehen. Aber "first things first" wie der Angelsachse so treffend sagt.

Erstes Projekt: Gillespie Headstone at Bolton Memorial Park Cemetery.


Hier seht Ihr das Grab wie es bis vor kurzem noch gestanden hat. Die Betonüberdeckung ist nicht original und wurde wahrscheinlich mit dem Neubau der Friedhofmauer ausgeführt. Dadurch wurden die Grabsteine durch den Beton teilweise überdeckt.

Ich habe mir hier im Baumarkt eine schöne neue Bosch Professional Flex gekauft für den Job. Die Betonüberdeckung wurde dann teilweise rausgeschnitten. Zum glück war sie nur 6-10 cm stark.

Hier seht Ihr Aaron und mich beim ausgraben der Steine. Diese waren ca 30-40 cm tiefer im Boden eingegraben als sie eigentlich sollten. Da an dem großen Stein ausserdem nachträglich noch eine Betonstütze angebracht wurd, haben wir vermutet, das dieser gebrochen war und nichtmehr die ursprüngliche Länge besitzt.
Dem war aber nicht so und das Teil war etwa 60cm tief im Boden versenkt.

Hier seht Ihr den ausgebauten Headstone und Aaron und mich bei der kosmetischen Aufbereitung der Kollateralschäden am Grab.

Hier kann schön sehen, wo der bis wohin der Stein überdeckt war. Unter der Betonabdeckung konnten wir dann interessanter weise reste einer weissen Tünche feststellen und in den Buchstaben einer ebenfalls verdeckten Schrift am Fussstein waren noch Reste schwarzer Farbe zu finden. Demnach war der Stein weiss gefasst mit schwaz ausgelegter Schrift.

Hauptproblem ist jedoch die Schalenbildung auf der Schriftseite, wodurch die Inschrift stark gefährdet ist. Die Schale besitzt eine Stärke von 1-2 mm. Im untern Bereich hat sie sich bis zu 5mm vom Stein abgehoben und ist teilweise verloren gegangen.

In dem übrigen Bereichen gibt es zwar keine Oberflächenverluste, jedoch sind in den vertiefungen der Schrift Öffnungen vorhanden. Hier hat sich die Schale etwa 2mm abgehoben.

In den übrigen Zonen der Ablösung kann man teilweise nur Haarrisse in den Vertiefungen der Schrift erkenne. Die schale hat sich hier nur minimal vom Untergrund abgelöst.

Das ganze sieht in der Kartierung dann so aus. Der Reihenfolge der vorherigen Fotos entsprechend die Farbkodierung Rot, Gelb, Blau.


Das ist gerade Stand der Dinge. Als Hinterfüll- und Anböschmörtel habe ich mir Kieselsäureester gebundene Gesteinsmehle vorgestellt. Viktor hat mir auch schon Tips für die Körnung gegeben.
Für Tipps und Vorschläge bin ich übrigens immer sehr empfänglich.
Gemacht habe ich das bisher nur mit dispergiertem Kalkhydrat, aber das kriegt man hier nicht, wobei wir auch schon beim Thema der Materialbeschaffung wären.

Um einen Kieselsäureester zu bekommen habe ich ganze zwei wochen emails geschrieben und telefoniert. Würg!!!!!!!!!!! Mit den Sanden und Mehlen ist das genauso und letztendlich habe ic mir den Stoff von Martin besorgt (DANKE) und mein Vater schickt mir das dann (im Packet sind dann aber auchnoch ein paar Leckereien für die Nerven---->Apfelringe).
Die letzte Hürde ist der Fehlende Katalysator in dem Kieselsäureprodukt das ich verwende (es heisst SILBOND 40). Ich habe in einigen Konservatoren-PDFs gelesen, das sich Fluorsäure hervorragend dafür eigent, daber die zu bekommen ist wiedereinmal scheisse kompliziert.
Naja, im Datenblatt steht, das es wohl auch mit einer Base funktionieren, also frage ich mich
ob ich das ganze vielleicht mit Kalklauge starten kann. Muss ich wohl testen.

Bis Später dann

Ab hier stehen die alten
Posts von 2006


Friday, April 07, 2006

Arbeit Down Under: Teil eins einer Monologie
(durch klicken auf die Bilder können diese vergrössert werden)

Ja hallo auch, bis jetzt sah es ja eigentlich so aus, als würde ich hier nix anderes tun als Schafe hüten und damit in die Fußstapfen meiner Mutter treten, die in Ihrer Jugend Schweine hüten musste (kein Witz).

Am besten fange ich mit dem an, den Sie Detlef den Conservator nennen.

Hier, das ist er gerade bei einer Vorlesung zum Thema „Boxen bauen zur Langzeitlagerung“.

Die Studenten, im Ganzen 7, sollten dazu jeder eine Sache mitbringen, die sie dann verpacken wurden. Dazu wurde zuerst über die konservatorisch besten Materialien gesprochen und nach der Übung über die Kosten für solche Maßnahmen und wie man sie minimieren kann.

Hier sind einige Impressionen:


Als weitere Themen werden wir dann noch die Lagerhaltung einiger Museen Besuchen und über das gesehene diskutieren.

Einen Großteil meiner bisherigen Arbeit habe ich mit kleben von Steinzeug, Keramik und Terrakotta verbracht.
Wie viele von Euch wissen werden, habe ich ja eine Allergie auf Epoxidharz, die, wenn ich damit direkt in Kontakt komme, mein Gesicht aufgehen lässt, wie ein paar Faustschläge von dem russischen Boxer, dessen Körper ein einziges Rudimentärorgan ist (Walejev?).
Im Ernst, bei dem Zeug, was ich bisher benutzt habe, musste ich nur in den Raum kommen, wo es angewendet wurde und ich hatte am folgenden Tag schuppige Haut um die Augenpartie.
Aber ToiToiToi, bis jetzt hatte ich noch nix. Wahrscheinlich, weil das nicht die billige Sc…ße ist, mit der ich bisher gearbeitet habe. Damit meine ich jetzt den Epoxi fürs Grobe, die richtig dicken Dinger.
Hier habe ich aber nur kleine Sachen geklebt und zwar zum Teil mit einem Kleber, der enorm Teuer ist.

Kaum zu glauben, aber wahr, der Inhalt dieser beiden Flaschen kostet 150Euro.Die kleine Flache schätze ich auf 8 cl (Ich hätte jetzt eigentlich einen kleinen Bohnenkamp daneben stellen sollen, um die Relation optisch besser hervor zu heben).

Dieser Kleber ist vor allem für Glas entwickelt worden. Er besitzt den gleichen Lichtbrechungsindex und härtet extrem langsam aus, was eine fast spannungsfreie und unsichtbare Verklebung ergibt.

Bisher habe ich unter anderem verklebt:

eine Tonschale



eine Porzellandose


ein präkolumbianisches Tongefäß

Die Sachen sind bis auf das südamerikanische Teil nicht gerade alt, aber die Tonschale ist z.B. von einem Keramik-Künstler und das chinesiche Porzellan hat einen persönlichen Wert, aber das ist ja für die Sache an sich auch nicht wichtig.

Zur Übung musste ich dann erst immer an einem Probestück arbeiten (zerbrochener Blumentopf und Einmachglass / Porzellanteller).

Einen Teil meines Praktikums (jede Woche Di oder Do) verbringe ich im „TeManawa“ – Museum. Dort helfe ich dann bei verschiedenen Sachen und lerne so die Arbeit im Museum kennen. Zum Beispiel habe ich bei dem Aufbau einer Ausstellung über die neuseeländische Flagge geholfen. Dazu gehörten dann Arbeiten wie:

-Kisten in die Galerie schleppen

-Bestandsaufnahme und Zustandsberichte schreiben

-den Ausstellungsraum für die neue Ausstellung herrichten

-die Beleuchtung für empfindliche Exponate anpassen

Im Museum bin ich dann durch Zufall auf einen kleinen Stein gestossen, der total zerbröselt in einer Plexiglaskiste lag. Ich hab mal nachgefragt was damit los ist und erfahren, das es sich dabei um einen Transportschaden handelte.

Der Stein zeigt die K-T Grenze, was wie folgt erklärt wird:

Die K-T-Grenze ist der Zeitpunkt zwischen Mesozoikum und Känozoikum, bzw. zwischen Kreide und Tertiär.

Es handelt sich dabei um einen Zeitpunkt im geologischen Sinn, da es vor etwa 65 Mio Jahren zu einem Massenaussterben kam, das etwa eine Million Jahre dauerte. Gravierende Umweltänderungen, möglicherweise ausgelöst durch einen Meteoriten (KT-Impakt), jedenfalls erhöhte Vulkantätigkeit sorgten für einen extremen Faunen- und Florenwechsel. Typisch für die KT-Grenze ist der hohe Iridiumanteil, der auf einen Meteoriteneinschlag schließen lässt, sowie hohe Mengen an Asche und Gesteinkügelchen, welche bei großer Hitze entstanden sein müssen.

Auf jeden Fall ist so was relativ selten zu finden und dieser Stein hat 2000 Euro gekostet.

Als die Ausstellung über Dinosaurier an ein anderes Museum verliehen wurde und dann wieder zurückkam, wurde dieses Teil dann vergessen und nachgeschickt. In einem gepolsterten Briefumschlag mit Expresskurier und ist auf diese Weise zerstört worden.

Ich habe das Teil soweit möglich wieder zsammengesetzt und werde es Kitten und neu einbetten.

Die K-T Grenze
Wie immer, gehen die wichtigsten Teile zuerst kaputt
(ältere erfahrene Restauratoren wissen wovon ich spreche :)

Ein weiteres Projekt wird eine Krippengruppe von ca. 1910. Es ist die einzige Gruppe ihrer Art hier in Neuseeland. Die Figuren (20) sind aus Gips und müssen gereinigt sowie an einigen Stellen verklebt und retouchiert werden.

Richtige Steinobjekte wie sie eines gestandenen Konservellos von Gottes gnaden würdig sind habe ich natürlich auch, Die kommen aber erst nach Ostern an dei Reihe, bzw. im Juli.

Dazu gehören zwei War-Memorials:

Der Cenotaph der Auckland Gramma School (Eliteschule, wer was werden will muss hier schon anfangen, aber das haben wir ja auch bald daheim)

Zustandsbericht und Konservierungskonzept



Lion Monument

Voruntersuchung und Konservierungsarbeiten.


Zwei Marmorbüsten, die sich in der Auckland Art Gallery befinden:

Reinigung und eventuell Ergänzung (Nasenergänzung)

Leider gibt es keine Bilder der beschädigten Büste, auf der sie mit Nase abgebildet ist, aber ich habe vom selben Künstler Bilder von Büsten gefunden, die er von der gleichen Person angefertigt hat.

Es handelt sich bei dem Künstler um einen gewissen Nollekens und bei dem Abgebildeten um Charles James Fox. Nollekens hat so etwa 6 Büsten von C.J. Fox hergestellt. Also ich habe einfach die Nasen dieser Büsten genommen und in ein Foto von der kaputten Büste eingefügt. Leider stimmt der Blickwinkel nicht ganz genau, weil ich die Fotos gemacht habe bevor ich im Internet auf die Suche nach anderen Bildern gegangen bin, aber das Ergebnis ist schon ganz gut. Ich werde dann neue Bilder machen, wenn ich die Büsten reinige.

So das soll jetzt erstmal reichen. So als Überblick. Soll auch nicht zu schön werden das ganze, schließlich kann ich das hier nicht als Semesterbericht abgeben.


Bis demnächst

Marco

Tuesday, March 28, 2006