Friday, April 07, 2006

Arbeit Down Under: Teil eins einer Monologie
(durch klicken auf die Bilder können diese vergrössert werden)

Ja hallo auch, bis jetzt sah es ja eigentlich so aus, als würde ich hier nix anderes tun als Schafe hüten und damit in die Fußstapfen meiner Mutter treten, die in Ihrer Jugend Schweine hüten musste (kein Witz).

Am besten fange ich mit dem an, den Sie Detlef den Conservator nennen.

Hier, das ist er gerade bei einer Vorlesung zum Thema „Boxen bauen zur Langzeitlagerung“.

Die Studenten, im Ganzen 7, sollten dazu jeder eine Sache mitbringen, die sie dann verpacken wurden. Dazu wurde zuerst über die konservatorisch besten Materialien gesprochen und nach der Übung über die Kosten für solche Maßnahmen und wie man sie minimieren kann.

Hier sind einige Impressionen:


Als weitere Themen werden wir dann noch die Lagerhaltung einiger Museen Besuchen und über das gesehene diskutieren.

Einen Großteil meiner bisherigen Arbeit habe ich mit kleben von Steinzeug, Keramik und Terrakotta verbracht.
Wie viele von Euch wissen werden, habe ich ja eine Allergie auf Epoxidharz, die, wenn ich damit direkt in Kontakt komme, mein Gesicht aufgehen lässt, wie ein paar Faustschläge von dem russischen Boxer, dessen Körper ein einziges Rudimentärorgan ist (Walejev?).
Im Ernst, bei dem Zeug, was ich bisher benutzt habe, musste ich nur in den Raum kommen, wo es angewendet wurde und ich hatte am folgenden Tag schuppige Haut um die Augenpartie.
Aber ToiToiToi, bis jetzt hatte ich noch nix. Wahrscheinlich, weil das nicht die billige Sc…ße ist, mit der ich bisher gearbeitet habe. Damit meine ich jetzt den Epoxi fürs Grobe, die richtig dicken Dinger.
Hier habe ich aber nur kleine Sachen geklebt und zwar zum Teil mit einem Kleber, der enorm Teuer ist.

Kaum zu glauben, aber wahr, der Inhalt dieser beiden Flaschen kostet 150Euro.Die kleine Flache schätze ich auf 8 cl (Ich hätte jetzt eigentlich einen kleinen Bohnenkamp daneben stellen sollen, um die Relation optisch besser hervor zu heben).

Dieser Kleber ist vor allem für Glas entwickelt worden. Er besitzt den gleichen Lichtbrechungsindex und härtet extrem langsam aus, was eine fast spannungsfreie und unsichtbare Verklebung ergibt.

Bisher habe ich unter anderem verklebt:

eine Tonschale



eine Porzellandose


ein präkolumbianisches Tongefäß

Die Sachen sind bis auf das südamerikanische Teil nicht gerade alt, aber die Tonschale ist z.B. von einem Keramik-Künstler und das chinesiche Porzellan hat einen persönlichen Wert, aber das ist ja für die Sache an sich auch nicht wichtig.

Zur Übung musste ich dann erst immer an einem Probestück arbeiten (zerbrochener Blumentopf und Einmachglass / Porzellanteller).

Einen Teil meines Praktikums (jede Woche Di oder Do) verbringe ich im „TeManawa“ – Museum. Dort helfe ich dann bei verschiedenen Sachen und lerne so die Arbeit im Museum kennen. Zum Beispiel habe ich bei dem Aufbau einer Ausstellung über die neuseeländische Flagge geholfen. Dazu gehörten dann Arbeiten wie:

-Kisten in die Galerie schleppen

-Bestandsaufnahme und Zustandsberichte schreiben

-den Ausstellungsraum für die neue Ausstellung herrichten

-die Beleuchtung für empfindliche Exponate anpassen

Im Museum bin ich dann durch Zufall auf einen kleinen Stein gestossen, der total zerbröselt in einer Plexiglaskiste lag. Ich hab mal nachgefragt was damit los ist und erfahren, das es sich dabei um einen Transportschaden handelte.

Der Stein zeigt die K-T Grenze, was wie folgt erklärt wird:

Die K-T-Grenze ist der Zeitpunkt zwischen Mesozoikum und Känozoikum, bzw. zwischen Kreide und Tertiär.

Es handelt sich dabei um einen Zeitpunkt im geologischen Sinn, da es vor etwa 65 Mio Jahren zu einem Massenaussterben kam, das etwa eine Million Jahre dauerte. Gravierende Umweltänderungen, möglicherweise ausgelöst durch einen Meteoriten (KT-Impakt), jedenfalls erhöhte Vulkantätigkeit sorgten für einen extremen Faunen- und Florenwechsel. Typisch für die KT-Grenze ist der hohe Iridiumanteil, der auf einen Meteoriteneinschlag schließen lässt, sowie hohe Mengen an Asche und Gesteinkügelchen, welche bei großer Hitze entstanden sein müssen.

Auf jeden Fall ist so was relativ selten zu finden und dieser Stein hat 2000 Euro gekostet.

Als die Ausstellung über Dinosaurier an ein anderes Museum verliehen wurde und dann wieder zurückkam, wurde dieses Teil dann vergessen und nachgeschickt. In einem gepolsterten Briefumschlag mit Expresskurier und ist auf diese Weise zerstört worden.

Ich habe das Teil soweit möglich wieder zsammengesetzt und werde es Kitten und neu einbetten.

Die K-T Grenze
Wie immer, gehen die wichtigsten Teile zuerst kaputt
(ältere erfahrene Restauratoren wissen wovon ich spreche :)

Ein weiteres Projekt wird eine Krippengruppe von ca. 1910. Es ist die einzige Gruppe ihrer Art hier in Neuseeland. Die Figuren (20) sind aus Gips und müssen gereinigt sowie an einigen Stellen verklebt und retouchiert werden.

Richtige Steinobjekte wie sie eines gestandenen Konservellos von Gottes gnaden würdig sind habe ich natürlich auch, Die kommen aber erst nach Ostern an dei Reihe, bzw. im Juli.

Dazu gehören zwei War-Memorials:

Der Cenotaph der Auckland Gramma School (Eliteschule, wer was werden will muss hier schon anfangen, aber das haben wir ja auch bald daheim)

Zustandsbericht und Konservierungskonzept



Lion Monument

Voruntersuchung und Konservierungsarbeiten.


Zwei Marmorbüsten, die sich in der Auckland Art Gallery befinden:

Reinigung und eventuell Ergänzung (Nasenergänzung)

Leider gibt es keine Bilder der beschädigten Büste, auf der sie mit Nase abgebildet ist, aber ich habe vom selben Künstler Bilder von Büsten gefunden, die er von der gleichen Person angefertigt hat.

Es handelt sich bei dem Künstler um einen gewissen Nollekens und bei dem Abgebildeten um Charles James Fox. Nollekens hat so etwa 6 Büsten von C.J. Fox hergestellt. Also ich habe einfach die Nasen dieser Büsten genommen und in ein Foto von der kaputten Büste eingefügt. Leider stimmt der Blickwinkel nicht ganz genau, weil ich die Fotos gemacht habe bevor ich im Internet auf die Suche nach anderen Bildern gegangen bin, aber das Ergebnis ist schon ganz gut. Ich werde dann neue Bilder machen, wenn ich die Büsten reinige.

So das soll jetzt erstmal reichen. So als Überblick. Soll auch nicht zu schön werden das ganze, schließlich kann ich das hier nicht als Semesterbericht abgeben.


Bis demnächst

Marco

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